Dienstag, 25. august 2009 2 25 /08 /2009 11:25

Mo, 24. 08.

… und einem ausgiebigen Frühstück wird es Tag über Österreich, wir überqueren die Alpen und ich genieße das Panorama durch 3(!) Fenster an meiner Seite. Bis Frankfurt haben wir die Verspätung aufgeholt. Ich bin erleichtert, da der Anschlussflug nach Wien schon in einer Stunde starten soll.

Beim Automaten Check-In beginnt meine Verwirrung: Mein Flugzeug ist schon weg!

Die Reise verläuft also bis zum letzten Tag spannend und abenteuerlich!

Ich frage am Schalter nach – ich bin eine Stunde zu spät! Langsam dämmert mir, dass meine Internetbuchung die Zeitverschiebung falsch berechnet hat (nicht mein Fehler). Ein ganz unfreundlicher Lufthansa-Beamter beginnt gleich mit mir zu schreien und Nachzahlung zu verlangen.

Ich wende mich an den Service-Schalter und dort erhalte ich ganz freundlich und gratis ein Ticket für den nächsten Flug – allerdings bin ich da auf der Warteliste. Sylvia kann ich von meiner Verspätung nicht informieren, da mein Handyakku leer ist. Aber wie selbstverständlich sitzt neben dem Boardingschalter ein (Engel) Bursche mit einem Nokia – Ladegerät. Er leiht es mir und ich gebe meine neuen Reisedaten durch.

Knapp danach und zwanzig Minuten vor dem Abflug erhalte ich das Okay – es ist ein Platz frei!

Ich lande um 10.15 Uhr in Wien, mein Gepäck ist trotz knapper Umbuchung mitgekommen und um 10.25 Uhr schließe ich Katharina und Sylvia vor dem Flughafen in die Arme. Ich bin angekommen.

An die Sauberkeit, die Ruhe und die Menschenleere werde ich mich die nächsten Tage wohl gewöhnen, die Verarbeitung aller Reiseeindrücke wird aber wesentlich länger dauern. Ich hoffe, als veränderter Mensch wieder angekommen zu sein und danke dir fürs Mitlesen und in Gedanken Mitreisen. Ich hoffe, ich kann dir in nächster Zeit persönlich von meinen Erlebnissen berichten und dir einige meiner Bilder zeigen.

Namaste!

von auerich
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Dienstag, 25. august 2009 2 25 /08 /2009 10:27

So. 23.08.

Der schwere Monsunregen die ganze Nacht durch, die Regenstimmung und Schwüle tagsüber und die sture Weise von indischen Hauswächtern machen es mir etwas leichter, von Indien Abschied zu nehmen. Ich habe heute ein Taxi engagiert, um ein paar Punkte in Mumbai zu besuchen: z. B. die große Wäscherei, einen Jain-Tempel,  Ghandis Wohnhaus und den Drehort von Slumdog Millionaire. Dort brachte ich es nicht über mich, die triste Slumsituation zu fotografieren. Ein Straßenschild und ein zwei Überblicksbilder müssen reichen. Beim Gateway of India wollte ich von der Seeseite her von einem Steg aus fotografieren, allerdings hieß es dort: “Only for members” und der Wächter ließ mich unter keinen Umständen ein paar Schritte hinausmachen. Danke!

Zu Mittag marschiere ich noch einmal Richtung Bazar, allerdings haben heute wirklich alle Geschäfte zu. In den Straßen werden riesige Ganesh-Figuren angeliefert, von einer Männergruppe vom LKW gehievt und unter Tanzen und durchdringender Musik auf vorgesehene Podeste gehoben. 10 Tage wird der Elefantengott gefeiert und dann transportiert man die Statuen zum Chowpatty Beach und versenkt sie dort im Meer, unter der Beteiligung von Millionen von Zusehern und Mitfeiernden  (über 20 Millionen Menschen leben in der Region Mumbai).Leider kann ich nur diese Vorbereitungen fotografieren.

Nach einem stundenlangen Fußmarsch erreiche ich den Baganga Tank, einen Süßwasserpool, umgeben von Tempeln, in dessen Mitte ein Pfahl steckt, der das Zentrum der Welt bedeuten soll.

Nun muß ich mich wohl bei meinen Brahmanen im Zug entschuldigen. Hier gibt es gerade ein Brahmanen Treffen, zu dem Inder aus dem ganzen Land  angereist sind. Und die sind überaus freundlich. Sie erkundigen sich nach meiner Reise, erzählen mir vieles über ihr Treffen und diesen Ort und zeigen eine erfrischende Herzlichkeit. Das ist nun wirklich ein schöner letzter Eindruck von Mumbai .

Am Rückweg kaufe ich mir Schuhe und eine Jeans, wasche mich im Bentley Hotel ausführlich auf der Toilette (die Dusche darf ich nicht mehr benutzen), entsorge meine total durchgeschwitzten Kleider und aufgebrauchten Sandalen und lasse mich zum Flughafen fahren. 3 Stunden vor dem Abflugtermin bin ich dort, und keine Minute zu früh: Sicherheitschecks kosten viel Zeit und beim Einchecken beharre ich auf meinem vorbestellten Fensterplatz (obwohl es ein Nachtflug ist). Die Schalterbeamtin verweist mich an den 1. Schalter und dort geschieht das Unglaubliche: Ich bekomme nach einiger Wartezeit ein Business-Class-Ticket (Nr. 11A!).

Und jetzt wird es ganz komfortabel: In der Boeing 747 geht´s in den obersten Stock, dort sitze ich in der 2. Reihe hinter der Pilotenkanzel. Vorzügliches indisches Essen wird aufgetragen und danach bringe ich den Sitz in die Liegeposition, er ist nun fast ein Bett. Das Flugzeug startet mit 1 1/2Stunden Verspätung, aber das stört mich jetzt überhaupt nicht. Nach einem erfrischenden Schlaf …

aber das ist schon wieder morgen…

von auerich
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Sonntag, 23. august 2009 7 23 /08 /2009 08:50
Sa, 22.08. Der vorletzte Tag in Indien. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, vielleicht doch noch einen Tiger fotografieren zu können. Der Sanjay Gandhi Nationalpark hat geöffnet und laut Lonely Planet werden dort auch Tigersafaris durchgeführt. Also marschiere ich zum Bahnhof Churchgate und kaufe ein Ticket 2. Klasse nach Borivali, staune über das Hinaus- und Hereindrängen bei jedem Stopp, der Zug spielt hier die Rolle einer U-Bahn, und erreiche nach einer Stunde Stehen in der Tür Borivali (den Namen kann ich mir nicht merken, ich musste ihn auf die Hand schreiben). Per Rikscha komme ich zum Parkeingang und nach 20 Minuten Fußmarsch, unterbrochen von einem heftigen Regenguss zur Tiger-Safari Busstation. Zuerst heißt´s warten, der Safaribus startet erst, wenn 15 Leute zusammenkommen. Ein Inder löst das Problem und kauft 15 Karten, so können wir auch zu dritt losfahren.

Wir sind ganz aufgeregt, es geht eine Weile durch einen dichten Wald, dann kommt ein Zaun mit einer Schleuse und wir sind anscheinend im Tigergebiet. Angestrengt halten wir Ausschau – da – nach einigem Herumfahren taucht ein Tiger auf: In einem winzig kleinen Gehege, umgeben von zwei Maschendrahtzäunen. Nach weiteren 5 Minuten fahren wir mit unserem raubtiergesicherten Bus den zweiten Käfig an, diesmal sind es 3 Jungtiger. Ich kann durch eine kleine Öffnung in unserem vergitterten Bus ein Tigerbild hinter zwei Gitterzäunen schießen. Große Enttäuschung, sie wird auch nicht dadurch gemildert, dass wir am Rückweg einen echten afrikanischen Löwen neben unserer Route liegen sehen, ganz ohne Käfigzaun.

Rückmarsch, Rückfahrt, diesmal erster Klasse, der Unterschied macht 90 Rupien aus und es wird ein bisschen weniger gedrängelt. Von Churchgate ist´s nicht weit zum Chhatrapati Shivaji Terminus (früher Victoria Terminal), dem 2. Endbahnhof in Südmumbai und lt. LP dem betriebsamsten Bahnhof Asiens. Von außen schaut er aus wie eine Mischung aus gotischer Kathedrale und islamisch-hinduistischem Palast, er ist seit 2004 Unesco Weltkulturerbe. Wieviele Menschen da heraus- und hineinströmen! Sylvia – nichts für dich!

Weiter trotte ich Richtung Basar, bevor aber das Shoppen losgeht, genehmige ich mir zuerst einen Granatapfelsaft und dann einen Faaloda royal im Badshahi-Saftladen. Das Getränk kann ich nicht beschreiben, es ist mit Eis, Samen, Fruchtfleischwürmern, Fruchtsaft,… und schmeckt, wenn man nicht an die Würmer denkt, sehr gut. Dann auf zum Einkaufen – was es schließlich alles wird, verrate ich nicht. Nur soviel – ich komme in ein feines Geschäft, wo ich mich in der verschwitzten Kleidung und mit dreckigen Fingernägeln (das sind sie in Indien binnen einer halben Stunde) nicht wohlfühle. Ich chartere ein Taxi, lasse mich ins Bentley´s Hotel fahren, werfe mich nach einer Wasser- und Seifenbehandlung in frische, gewaschene Klamotten (Jaisalmer) und bin mit dem gleichen Taxi schon wieder in der Nähe des Geschäftes (Fahrpreis 1.- EUR). Nun fühle ich mich beim Aussuchen wohl. Schade, dass morgen sonntags die Geschäfte geschlossen haben, jetzt beginnt mir das Shoppen zu gefallen.

Zurück zum Hotel marschiere ich eineinhalb Stunden, die ersten Ganesh Umzüge beginnen sich zu formieren. Schade, dass mein recherchierter Termin falsch war! Vor lauter Schauen übersehe ich meine Straße, marschiere eine halbe Stunde zu weit, dann zum Gateway of India, da kenn ich mich aus und schließlich zielgenau ins Hotel. Morgen ist mein letzter Tag in Indien!
von auerich
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Freitag, 21. august 2009 5 21 /08 /2009 18:54

Fr, 21.08.

Der erste Blick aus dem Fenster zeigt schon üppige Vegetation. Nach kurzem Frischmachen nehme ich wieder meine Lieblingsposition ein, ich sitze in der offenen Waggontür, im AC-Wagen ist es eh viel zu kalt. Nur ab und zu setze ich mich hinein, dann, wenn wir einen Regenschauer durchqueren.

Alle Grüntöne erfreuen das Auge, es scheint hier in letzter Zeit endlich geregnet zu haben, die Reisfelder sind bestellt und das Zuckerrohr ist schon einen halben Meter hoch. Nach Surat durchqueren wir eine Sumpflandschaft und vor Mumbai werden die Slums entlang der Eisenbahn immer größer, viele der Hütten und Zelte stehen direkt neben den Schienen. Soll ich das fotografieren? Ich denke schon, es ist einfach Tatsache, dass die Hälfte der Einwohner Mumbais in Slums lebt.

Eine Frage an meine Mitreisenden nach dem Aussteigebahnhof bewirkt, dass mein Nachbar mir anbietet, gemeinsam ein Taxi zu nehmen. Er kann einen guten Preis ausmachen und sein Ziel liegt auf meiner Strecke, ich will nämlich ganz hinunter auf die südlichste Halbinsel, nach Colaba.

Das Taxi fährt eine lange Strecke durch dichtesten Verkehr, plötzlich kracht es, wir haben einen Unfall. Unser Fahrer ist dem Vordermann aufgefahren. Ich habe eine blutende Lippe. Das kümmert die beiden Fahrer nicht, sie besichtigen den Schaden, beschimpfen sich gegenseitig, dann biegen beide an ihren Stoßstangen herum und fahren einfach weiter. Meinem Mitreisenden wächst eine Beule, aber auch das ist nicht weiter von Belang.

Er verlässt mich, mein Fahrer kurvt eine Weile herum, bis er Bentleys Hotel findet. Ein Zimmer zu ungewohnt hohen Preisen (Budget-Hotel!) bekommt mich als neuen Bewohner, die Klimaanlage spare ich mir, ich bin ja jetzt schon Hitze gewöhnt!

Nach einer kurzen Ruhephase wandere ich los: zum Gateway of India – streng bewacht und von Zäunen umgeben, dahinter das Taj Mahal Hotel, dann geht´s Richtung Universität, Florabrunnen, St.- Thomas-Kathedral, Chawpatty Beach. Ach ja, da fällt mir wieder die Katastrophe ein!

Am Sonntag sollte hier der Höhepunkt des 10-tägigen Ganesh-Festivals stattfinden. Leider waren die Internetangabe und die Bestätigung durch die Botschaft falsch!!! Das Fest beginnt erst am Sonntag und dauert 14 Tage! Ich werde also versuchen, meinen Flug um 14 Tage zu verschieben.

DAS WAR NATÜRLICH NUR EIN SCHERZ! Ich will heim!

Nun, so werde ich morgen den Sanjay Gandhi Nationalpark besuchen, der soll angeblich offen sein, und am Sonntag schaun, was sich beim Festival schon tut. Schade!

Inzwischen habe ich den Beach verlassen, erklimme die Hängenden Gärten, aber mehr zieht es mich zum Turm des Schweigens, der Begräbnisstätte der Parsen. Von der Straße aus ist im Pflanzendickicht nichts auszumachen, hinein darf ich als Nicht-Parse nicht, mich schnell umtaufen lassen wird schwierig und irgendwo hineinsteigen, um verbotene Bilder zu schießen scheint mir pietätlos, gerade weil ein Begräbnis stattgefunden haben soll. Die Toten werden auf den Turm gebracht und dort von den Geiern gefressen. Einen Geier kann ich ausmachen, auf einem hohen Baum, später, aus der Ferne zurückgeschaut,  scheinen es mehr geworden zu sein.

Nun, ich erledige eine kosmetische Sache, nehme ein Taxi zurück zum Gateway of India, dass bei künstlicher Beleuchtung besser aussieht und trolle mich heim, um Tagebuch zu schreiben.

von auerich
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Freitag, 21. august 2009 5 21 /08 /2009 18:51

Do, 20.8.

Heute gibt es nicht viel Aufregendes zu erzählen. Ich besuche die Musiker zuhause, um mich von ihnen zu verabschieden und nehme eine Rikscha zum Busbahnhof. Um 10.00 Uhr startet der Bus nach Jodhpur. Die Burschen vom Hotel haben´s weder geschafft, mir einen Fensterplatz im Bus noch im Zug zu reservieren. Ein wenig Bakschisch löst das Problem, ich möchte doch die Fahrt durch diese Wüstenlandschaft bis Jodhpur genießen. Auf der Straße sind viele Pilger nach Pokhara unterwegs, die weitesten sollen sogar von Mumbai oder Kolkata zu Fuß kommen. Ich hätte doch den früheren Bus nehmen und in Pokhara aussteigen sollen. Aber mit dem ganzen Gepäck? Und ich habe schon so viele Menschen fotografiert.

Mein Sitznachbar erzählt mir viel Interessantes aus seiner Sicht (er ist Techniker und gehört der Brahmanenkaste an) zum Thema Tourismus, Wasserversorgung, Politik und Religionen in Indien und tritt vehement für das Kastensystem und die traditionelle Rolle der Frau ein.

Statt um 3.00 Uhr erreichen wir um 5.00 p.m. Jodhpur, eine Runde mit dem Gepäck löst die Sitzstarre, dann wartet schon der Zug nach Mumbai. Auch hier kein Fensterplatz. Das Problem dabei ist, dass mein Gepäck ganz unten ist und ich ganz oben liege, im dritten Stock(bett). Der Schaffner weist mir auf meine Bitte einen Platz direkt parallel zum Fenster zu, das Gepäck ruht gut bewacht direkt unter mir, so schlafe ich schon um 20.00 Uhr tief und fest, na ja, ein wenig gestört von Mitgliedern der obersten Kaste (Brahmanen), die meinen, überhaupt keine Rücksicht auf andere nehmen zu müssen. Sie debattieren lauthals und wollen ihre Platzwünsche unverzüglich erfüllt bekommen.

Wie es ausgeht, höre ich schon nicht mehr...

von auerich
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